Das verhexte Paket

Alles begann mit einem Geburtstagsgeschenk, das ich mir selbst dieses Jahr gönnen wollte. Ich habe mir eine Armbanduhr von einem britischen Hersteller bestellt. Nicht sündhaft teuer, gemessen an dem, was Armbanduhren gerne kosten können, aber mit etwas über 1.000 EUR auch nichts was ich mir leichtfertig einfach so kaufe.

Zwei Wochen später kam meine neue Uhr an und gefiel mir leider nicht. Also so absolut gar nicht. Ich habe daraufhin den Retourenprozess beim Hersteller gestartet, das erhaltene Versandlabel auf das Paket geklebt und es brav in einer Filiale auf die Reise geschickt.

Keine zwei Wochen später hab ich das Paket wieder in den Händen gehalten. In einer Klarsichtfolie auf der Rückseite steckte ein Formular, auf dem ein DHL-Mitarbeiter “ABD fehlt” gekritzelt hat. Eine kurze Recherche hat ergeben, dass damit ein Ausfuhrbegleitdokument gemeint war. Das habe ich dann, verbunden mit der Frage was wir jetzt machen, dem freundlichen Support des Uhrenherstellers mitgeteilt. Dann hörte ich erst einmal nichts mehr.

Auf eine erneute Nachfrage erhielt ich auch nur verschriftliches Schulterzucken, das man so etwas auch noch nie erlebt habe, auch keine Ahnung hat, was das Problem sei, aber hier sei ein neues Versandlabel, wird schon klappen.

Mit dem nigelnagelneuen Versandlabel und voller Zuversicht, habe ich das Paket erneut bei DHL in Richtung Großbritannien geschickt. Doch auch dieses Mal lag es zwei Wochen später wieder auf dem heimischen Esstisch.

Die Rückseite von einem Paket, das auf die britische Insel gesollt hätte, aber mehrere Male zu mir zurückgekommen ist.

Die nächste Meldung beim britischen Händler hat noch etwas länger auf eine Reaktion gewartet, aber diesmal erhielt ich eine Mail mit 5 Anhängen, die ich besser sehr genau gelesen hätte, um mir den etwas peinlichen Zwischenschritt zu ersparen. Enthalten war eine Proformarechnung, irgendein DHL-Versanddokument und 2 Versandlabel, das eine zum Aufkleben auf dem Paket und das andere um es dem Kurier bei der Abholung in die Hand zu drücken. Geendet hat die Mail mit dem Hinweis, dass ich das Paket auf keinen Fall verschließen und bitte den Link zur Vereinbarung eines Abholtermines klicken sollte.

Der erste Abholtermin war für den letzten Samstag vereinbart. Als auch über eine Stunde nach dem Ablauf des Zeitfensters niemand geklingelt hat, habe ich den Termin auf heute, also Montagmittag verschoben.

Heute dann, zwei Stunden vor dem eigentlich vereinbarten Zeitfenster klingelt es Sturm und ein DHL-Fahrer steht wild gestikulierend und auf sein elektronisches Handgerät deutend vor mir. Ich hatte das Paket vorsorglich neben der Tür geparkt und zeige es ihm, wie in der Mail ausdrücklich beschrieben, unverschlossen. Er deutet Daumen hoch. Ich frage, ob ich es verschließen soll und ob er ein Versandlabel habe (das ist der Teil der Mail, den ich nicht gut genug gelesen habe… ich bin nämlich, warum auch immer, davon ausgegangen, das der Fahrer vor Ort ein Label druckt).

Ich rede und rede, aber er bleibt stumm und zeigt nur immer auf sein Gerät oder hebt den Daumen. Ich wechsel auf Englisch, seine Reaktionen bleiben unverändert. Nach 2 Minuten denke ich mir, das er wohl stumm ist, da einfach kein Ton aus seinem Mund kommt. Ich rede langsam und deutlich, in der Hoffnung er könne meine Lippen lesen. Gefühlte Minuten verstreichen, bevor ich ihm gestikuliere, dass ich das besser aufschreibe, woraufhin er den Daumen hebt und lächelt. Ich fange an eine Notiz auf meinem Smartphone zu tippen, aber sein Zeigefinger deutet mir ein deutliches Nein an. Er signalisiert mir, das er kurz zum Auto geht. Während ich mich noch frage, mit welchem magischen Gerät er gleich auftaucht, hält er mir schon sein Smartphone mit einer geöffneten Übersetzungs-App unter die Nase.

Ich tippe meine Fragen ein, es erscheint ein russischer Text. Er tippt eine Antwort und auf Deutsch lese ich, das er auch keine Ahnung habe. Alles wirkt sehr skurril, wie wir da tippen und Schultern zucken. Mir wird immer klarer, dass mir der DHL-Mitarbeiter wohl nicht helfen kann und ich ihn nur von seinem Job abhalte. Also tippe ich “Alles ok! Ich melde mich bei DHL! Danke!” in das Gerät und er geht lächelnd und mit gehobenem Daumen zu seinem Auto und braust davon.

Ich öffne erneut die Mail des britischen Händlers und sehe jetzt, die beiden Versandlabel, von denen ich dachte die würden beim Abholen nach Inspizieren des Paketes gedruckt. Ich fasse mir ans Hirn und es klatscht deutlich. Ich drucke beide Etiketten aus und vereinbare online einen erneuten Abholtermin für den späten Nachmittag des gleichen Tages.

Wie sollte es bei dieser Geschichte anders sein, gab es heute keinen weiteren Abholversuch und ich frage mich, ob ich das Paket nicht auch einfach zur Post hätte bringen können, auch wenn in der Mail ausdrücklich eine Abholung angewiesen wurde. Jetzt ist es natürlich zu spät für derart schlaue Ideen und nachdem ich ab morgen für ein paar Tage beruflich unterwegs sein werde und mich selbst nicht mehr um das Paket kümmern kann, habe ich meine Frau gebeten das Paket morgen bei der örtlichen Postfiliale auf die Reise zu bringen.

Ich hoffe, dass das dann das Ende der Geschichte um dieses verhexte Paket ist und ich mein Geld zurückbekomme. Ich würde mir dann nämlich wirklich gerne eine andere Uhr von dem britischen Hersteller bestellen wollen.

Kleine Kinder kleine Sorgen

Ich wollte schon länger etwas über die elterlichen Sorgen mit heranwachsenden Kindern schreiben und das bleibt vorerst auch ein Thema, das ich mir für später aufhebe. Um darüber wirklich etwas Reflektiertes von mir zu geben, muss ich noch einmal in mich gehen und mir außerdem überlegen, wie viel von dem, was in den letzten Jahren des gar nicht so einfachen Teenagerlebens der nunmehr 18-Jährigen ich hier überhaupt von mir geben kann.

Wie dem auch sei, die 18-Jährige ist gerade sehr glücklich, weil nach dem großen Knall bahnt sich etwas Neues an. Ich freue mich, mahne aber zur Langsamkeit und habe das Gefühl mich anzuhören wie mein eigener Vater, auch wenn ich mit ihm nie über Beziehungen oder Sexualität gesprochen habe. Das werte ich schon als einen gewissen Erfolg, das ich derart nah teilhaben kann, auch wenn ich mir manchmal wünsche gar nicht so viel zu wissen.

Die Dialoge mit heranwachsenden sind, zumindest für mich, oft anstrengend. Sie wissen und können eigentlich alles, brauchen grundsätzlich keinen Rat, aber fordern lautstark finanzielle Unterstützung und mit klimpernden Augenaufschlägen und liebsten Worten einen Fahrer. Also zumindest bei der 18-Jährigen ist das so. Der 14-Jährige ist da ganz anders und ich frage mich, ob er in 4 Jahren auch eine ähnliche Kurve nimmt.

In der Nussschale bin ich da heute einmal durch:

  • Ja, ich fahre dich zum Volksfest, aber kannst du bitte dein Zimmer endlich mal aufräumen?
  • Bitte nimm eine Jacke mit, es wird frisch heute Abend.
  • Ja ich bring’ dir deine Jacke Kind. Bitte steh am Parkplatz!
  • Denk dran das ich dich auf keinen Fall wieder um 2 Uhr abhole! Ich muss morgen arbeiten.

Und ja, die junge Dame hat tatsächlich ihr Zimmer aufgeräumt. Einundzwanzig (nach meiner Intervention) leere Wasserflaschen haben den Weg in den Keller gefunden und Müllsäcke sowie diverses anderes Zeug wurden vor der Zimmertür abgeladen. Meine Bedingung für die nächtlichen Taxifahrten war einfach nicht präzise genug formuliert.

Vor einem Regal und einem Sofa liegen Müllsäcke, Schulhefte und ein rosa Ordner auf dem Parkettboden. Die Szene passt zum aufgeräumten Jugendzimmer, dessen Müll vor der Tür abgeladen wurde.

Ich bräuchte jetzt einen Wein, aber ich muss ja noch fahren.

Die Frau im Nebel

Filmplakat zu „Die Frau im Nebel“ mit einer stilisierten Berg- und Meereslandschaft, einer großen Frauenfigur im Hintergrund und einem Mann im Anzug im Vordergrund.

Ich wünschte, ich könnte die Begeisterung vieler Kritiker für diesen Film teilen. Aber irgendwie will der Funke bei mir einfach nicht überspringen.

Ich wollte Die Frau im Nebel schon vor ein paar Monaten anschauen, bin aber mittendrin eingeschlafen. Heute habe ich einen neuen Anlauf genommen und mich durch das mehr als zweistündige Epos gekämpft. Leider wirkt die Geschichte über weite Strecken wirr, unnötig kompliziert und in die Länge gezogen. Da nicht in den Second Screen abzudriften, erfordert viel Standhaftigkeit.

Vielleicht enttäuscht mich der Film aber auch deshalb so sehr, weil Park Chan-wook mit Die Taschendiebin bereits gezeigt hat, wie fesselnd, sinnlich und zugleich raffiniert sein Kino sein kann.

Einsam

Ein Lieferwagen steht auf einem Schotterweg zwischen schwarzem Vulkangestein und Gras, dahinter der einsame Strand und das Meer der Azoren.

Zum heutigen #Fotovorschlag mal wieder ein Bild von unserem Azoren-Urlaub 2022, von einem einsamen Lieferwagen an einem einsamen Strand.

Ich habe GoToSocial geforked

Dass GoToSocial noch Beta-Software ist und entsprechend unfertige Ecken hat, war mir klar. Welche Ecken das sein würden, allerdings nicht.

Mit manchen Einschränkungen kann ich problemlos leben. Eine eigene Web-App brauche ich beispielsweise nicht unbedingt. Phanpy macht einen ganz hervorragenden Job. Andere Probleme waren so störend, dass ich schon nach wenigen Stunden begonnen habe, Bugs und funktionale Lücken selbst zu beheben.

Das erste Problem fiel mir schon unmittelbar nach dem Umzug meines Accounts auf. In allen von mir getesteten Mastodon-Clients wurde keine Linkvorschau mehr angezeigt. Und das nicht nur bei meinen eigenen Posts, sondern auch sämtlichen anderen Beiträgen in meiner Timeline. Klar, kein Weltuntergang, aber das Ergebnis war eine erstaunlich leer wirkende und visuell ziemlich trostlose Timeline.

Das zweite Problem betraf mein Split-Domain-Setup. Meine Instanz läuft unter social.fischr.org, mein öffentliches Handle soll aber @rene@fischr.org sein. Und genau das versprach eben jenes Setup. In der Praxis funktionierte das allerdings nur teilweise. Viele der von mir getesteten Fediverse-Clients fielen auf die technische Adresse zurück und zeigten meinen Account als @rene@social.fischr.org an. Erreichbar war ich zwar weiterhin unter beiden Varianten, aber sichtbar war fast überall der aus meiner Sicht falsche Handle.

Screenshot vom Einstellungsbereich von „GoToSocial Plus“.

Beide Probleme und einige weitere Anpassungen, wie beispielsweise Follow-Buttons direkt auf dem Profil, habe ich inzwischen in meiner eigenen GoToSocial-Instanz behoben. Da GoToSocial unter der AGPL veröffentlicht wird, müssen auch meine Änderungen wieder unter derselben Lizenz verfügbar sein. Deshalb gibt es die angepasste Version als öffentlichen Fork, den ich auch zukünftig weiter pflegen und mit den Änderungen aus dem Upstream aktuell halten werde.


Update vom 19. Juli 2026

GoToSocial Plus kann Posts jetzt optional auch auf Bluesky veröffentlichen. Anders als bei den üblichen Bridges wird dafür ein bestehender Bluesky-Account verbunden, wodurch sich eine echte Identität auf beiden Plattformen parallel pflegen lässt.

Antworten auf Bluesky werden in GoToSocial Plus als private Nachrichten gespiegelt. Antwortet man darauf, wird die Antwort unter dem verbundenen Bluesky-Handle veröffentlicht. Für Bluesky-Nutzer sieht es aus, wie eine ganz normale Interaktion wie mit jedem anderen Bluesky-Profil auch.

Süßes Zuhause

Diese Woche habe ich einige Abendstunden in mein digitales Zuhause investiert. Begonnen hat das alles mit der Feststellung, dass meine Webseite bei der Suche nach meinem Namen quasi nicht sichtbar ist. Gemessen an den Online-Präsenzen die meine Namensvetter so pflegen, war es einigermaßen ernüchternd erst auf Seite 4 oder 5 aufzutauchen.

Natürlich gibt es dutzende Dinge, die man anfassen kann, um sich Millimeter für Millimeter in den Suchergebnissen nach oben zu drücken. Ich wollte aber den größtmöglichen Push und da kommt man um ein paar grundlegende Dinge nicht drumherum.

Der erste und wichtigste Punkt ist logischerweise relevanten Inhalt anzubieten, der mit dem eigenen Namen verbunden ist. Das habe ich erreicht, in dem die Startseite von fischr.org nicht mehr meinen Blog zeigt, sondern als meine neue Profilseite dient. Es gibt einen netten Text über mich, Fotos, aggregierte Inhalte von ausgewählten Online-Profilen und eine Sammlung meiner Profile im Netz. Und alle diese Profile linken jetzt auch sauber zu meiner Domain zurück.

Screenshot der neu gestalteten Startseite von fischr.org mit großem René-Fischer-Profilbereich, Navigation, Fischköpfen im Header und darunter Text sowie kleine Porträt- und Wanderfotos.

Direkt danach habe ich mich darum gekümmert, das meine Webseite Google & Co strukturierte Daten über mich anbietet. Anschließend habe ich Google gebeten, ein paar Seiten meiner Domain neu zu indexieren und wenige Stunden später, ist meine Domain bei der Suche nach meinem Namen auf Platz 1. Ob das allein an den Änderungen lag, kann ich natürlich nicht belegen.

Ehrlicherweise pendelt das Ergebnis aktuell zwischen den ersten 3 Plätzen und zeigt auch bisher nicht das gewünschte Profilfoto an, aber ich gebe Google jetzt einfach noch etwas Zeit sich festzulegen, wo es meine Seite einsortieren will, bevor ich da noch weiter dran herumschraube.


Und weil ich schon dabei war, habe ich auch mein Fediverse-Profil von Mastodon zu GoToSocial umgezogen. Die Instanz läuft bei Uberspace und war mit der hervorragenden Anleitung in weniger als einer Stunde eingerichtet und lauffähig. Die Übernahme der Follower ist beim Wechsel von Fediverse-Instanzen ja immer mit ein paar Verlusten versehen, aber zumindest konnte ich mit Slurp meine bisherigen Posts übernehmen und starte nicht mit einem leeren Profil.

Auch wenn die Instanz unter social.fischr.org läuft, kann ich dank der Split-Domain Konfiguration mit dem Fediverse-Handle @rene@fischr.org unterwegs sein.

Damit owne ich jetzt meine Webseite, meinen Blog und finally auch mein Fediverse-Profil.

Weniger ist mehr

Felix hat darüber geschrieben, dass Limitierungen die Grundlage für außergewöhnliche Erfolge sind, weil sie das menschliche Gehirn dazu zwingen, kreative Lösungen zu suchen, statt den offensichtlichen Weg zu gehen.

wir ten­die­ren dazu pro­ble­me durch hin­zu­fü­gen von et­was zu lö­sen und tun uns oft schwer da­mit pro­blem­lö­sun­gen in be­tracht zu zie­hen, die et­was ent­fer­nen.

Beim Lesen musste ich sofort an das Zitat von Antoine de Saint-Exupéry denken, das seit Jahren eine Art Lebensmotto für mich ist.

Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn es nichts mehr hinzuzufügen gibt, sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann.

Saint-Exupéry beschreibt eine Grenze, die wir selbst ziehen. Wir könnten noch mehr hinzufügen, entscheiden uns aber dagegen. Reduktion ist dann nicht das Gegenteil von Limitierung, sondern eine bewusste Form davon. Weniger nicht, weil man muss, sondern weil man erkannt hat, dass nicht jede Möglichkeit genutzt werden sollte.

Vielleicht begleitet mich das Zitat deshalb schon so lange. Weil es nicht nur von Gestaltung spricht, sondern von Haltung. Und vielleicht erklärt es auch, warum ich Produkte entwickle. Denn auch dort fehlt es selten an Ideen, Anforderungen oder Möglichkeiten. Die eigentliche Arbeit besteht darin, Grenzen zu ziehen und zu entscheiden, was nicht Teil der Lösung sein soll.

Ich frage mich nur, denke ich so, weil ich Produkte entwickle? Oder entwickle ich Produkte, weil ich so denke?

Moon

Filmplakat zu „Moon“ mit einem Astronauten im weißen Raumanzug, der seinen Helm hält. Hinter ihm sind konzentrische Linien auf schwarzem Hintergrund und der Titel „MOON“ zu sehen.

Moon ist ein außergewöhnlicher Film. Der Plot klingt ein bisschen wie Mickey 17, aber Moon funktioniert komplett anders. Der gesamte Film ist sehr reduziert. Es gibt keine Action, keine Effekte und eigentlich auch nur einen Schauspieler. Alles spielt in oder um eine Mondstation, fast schon ein Kammerspiel. Trotzdem entsteht eine starke Spannung, weil der Film nach und nach die Identität seines Protagonisten infrage stellt. Wirklich sehr sehenswerter Science Fiction, keine Sekunde langweilig.

Der erste Sonntag im Juli

Heute ist der erste Sonntag im Juli. Das heißt, eine auf diesen Tag eingestellte Erinnerung erscheint auf meinem iPhone-Display und erinnert mich daran, das Dokument zu prüfen, in dem ich für meine Frau Dinge aufgeschrieben habe, die im Falle meines Ablebens wichtig sind zu erledigen. Quasi eine Art Checkliste als Unterstützung für den Moment, wenn es dem Kopf vermutlich gerade schwerfällt zu denken.

Diese halbjährliche Aufgabe ist nach einigen Iterationen zur reinen Routine geworden und dauert meist keine 10 Minuten. Meistens sind es nur ein paar Details rund um Versicherungen, oder Kontaktdaten von Freunden die aktualisiert werden müssen. Dennoch lese ich das Dokument jedes Mal sehr aufmerksam, weil es im Fall der Fälle einfach zu verstehen und eindeutig sein soll.

Das gilt auch für meine Bestattungswünsche. Ich weiß kann mir vorstellen, dass sich die meisten Menschen sich darüber keine Gedanken machen, aber für mich ist es unvorstellbar das nicht aufgeschrieben zu haben und dem Zufall zu überlassen.

Warum das wichtig ist, habe ich diese Woche wieder schmerzlich vor Augen geführt bekommen, als mich die Nachricht ereilt hat, das eine Bekannte mit Mitte 40 ohne ersichtlichen Grund einfach aus dem Leben gerissen wurde. Ich kenne keine Hintergründe und am Ende ist es auch egal. Fakt ist, es kann für jeden von uns morgen heute vorbei sein.

Gewollt beschäftige ich mich mit dieser Realität zweimal pro Jahr und habe auch meinen inneren Frieden damit gemacht. Dennoch sind solche Ereignisse jedes Mal ein Schock und eine Erinnerung daran, wie schön und einzigartig der Moment auf dieser Erde ist, und das man, wenn möglich, jede Sekunde davon genießen und mit Menschen und Dingen verbringen sollte, die einen glücklich machen.

Ich wollte diesen Artikel eigentlich mit einem Foto bebildern, das meinen glücklichsten Moment dieses Jahres bisher zeigt. Ich glaube, es ist ein gutes Zeichen, dass ich auch nach 10 Minuten keine Entscheidung treffen konnte, welches Foto diesen Moment festgehalten haben sollte.

Gone Girl

Filmposter zu „Gone Girl“ mit den groß dargestellten Gesichtern einer Frau und eines Mannes vor düsterem, wolkigem Hintergrund. Oben steht „Gillian Flynn“, in der Mitte der Titel „Gone Girl“.

Der Plot von Gone Girl versprach Spannung und ja die gab es, aber auch einige Längen und Fragezeichen. Um nicht zu spoilern, hole ich jetzt nicht weiter aus. Für mich am Ende insgesamt eher enttäuschend, da viel zu sehr auf Hochglanz gemacht und leider auch schwaches Ende. Der unsichtbare Gast ist um Welten besser investierte Zeit.

Taubenstein, abgebrochen

Fast so pünktlich wie geplant, sind wir heute früh in Richtung Spitzingsee aufgebrochen und haben uns auf den Weg auf den Taubenstein gemacht. Der Wandererparkplatz war noch fast leer und die Luft frisch.

Nach knapp 30 Minuten meinte der 14-Jährige dann, das er Schmerzen im Knie hat. Wir haben dann vereinbart, dass wir noch bis zur St.-Michaels-Kapelle an der Schwarzenkopfhütte gehen und dann dort entscheiden, ob wir den echten Aufstieg probieren wollen oder nicht.

Steinerne St.-Michaels-Kapelle an der Schwarzenkopfhütte bei Spitzingsee, umgeben von Bäumen und in der Morgensonne.

Metallgitter mit Kette und Schloss vor dem Eingang der St.-Michaels-Kapelle an der Schwarzenkopfhütte; im Hintergrund sind Altar, Blumen und Kerzen zu sehen.

An der hübschen Kapelle angekommen stand schnell fest, das aus dem Aufstieg heute nichts mehr wird. Wir haben dann die Parkbank in Beschlag genommen und die gesamte Brotzeit verdrückt, die für die 4 Stunden gedacht gewesen wäre.

Kleine steinerne St.-Michaels-Kapelle an der Schwarzenkopfhütte bei Spitzingsee, umgeben von Bäumen und Holzzaun. Im Hintergrund steigen bewaldete Hänge unter klarem Himmel an.

Gut gestärkt haben wir uns dann auf den kurzen aber steilen Rückweg gemacht, der mittlerweile gut gefüllt mit schnaufenden Wanderern war. Ich hab den Herrn Sohn noch gefragt, ob wir mit der Taubensteinbahn hoch- und wieder runterfahren wollen, aber so wie er das formulierte, war es für ihn cheaten und er wollte lieber ein anderes Mal hinauf.

Blick vom Wanderweg am Taubenstein über eine Wiese und Nadelwald hinunter zum Spitzingsee, mit Bergen unter klarem blauem Himmel.

Zusammengefasst hatten wir also bei bestem Wetter ein nettes Picknick am Spitzingsee. Wenigstens müssen wir uns heute Nachmittag nicht in den anstrengenden Rückreiseverkehr gen München einfädeln und das Duschen kann auch ausfallen.

Über Tiere die auf mich zu- und vor mir weglaufen

Ich hab schon länger nichts mehr hier aufgeschrieben. Dafür gibt es viele gute und einige nicht so gute Gründe. Ein Hauptgrund ist der übliche Wahnsinn rund um den Quartalswechsel, wenn Ziele ausgewertet und neu definiert werden dürfen. Das ist tatsächlich sehr motivierend, aber auch sehr anstrengend, bis dann mal alle notwendigen Teams und Abteilungen hinter einem neuen Ziel stehen.

Wenn ich dann am Abend mal Zeit und Muße habe, investiere ich derzeit alles in die Fertigstellung von Above. Und während ich das hier schreibe, stelle ich auch fest, dass ich noch nie öffentlich darüber geschrieben habe, was jetzt, nach knapp 1 Jahr endlich fertig zu werden scheint. Wenig überraschend, ist es eine iOS-App für eine gewisse Leidenschaft von mir, und vielen Millionen anderen Menschen auf der Welt. Wenn meine Pipeline heute Nacht autonom durchläuft, und Gigabyte-weise Daten erfolgreich abgelegt wurden, traue ich mich vielleicht noch dieses Wochenende zum ersten Mal den Vorhang zur Seite zu schieben.

Jetzt bereite ich mich aber erst einmal auf die morgige Kurzwanderung vor. Der 14-Jährige hat gestern Abend gefragt, ob wir am Samstag wandern gehen wollen. Ich hatte mit dem Brünnstein und der Höllentalklamm zwei Optionen rausgesucht, aber heute hat er einschränkend hinzugefügt, das er um spätestens 15 Uhr wieder Zuhause sein muss, um rechtzeitig zu einer Geburtstagsparty zu kommen. Also gibt es morgen nur eine kurze und hoffentlich nicht ganz so anstrengende Tour auf den Taubenstein. Nachdem ich nach unserer letzten Tour ungelogen über eine Woche höllischen Muskelkater hatte, nehme ich ein paar weniger Kilometer und Höhenmeter dankend an.

Abendstimmung über einem Getreidefeld am Waldrand, mit Sonnenstrahlen hinter Wolken und dunklen Baumreihen am Horizont.

Aber ich bin etwas abgeschweift. Was ich eigentlich festhalten wollte war, das beim heutigen Abendspaziergang eine Herde Jungbullen eiligen Schrittes auf mich zugerannt gekommen ist und dann sehr schüchtern vor mir stand. Ein paar verzweifelte Versuche einen Bullen zu tätscheln später, bin ich dann weitermarschiert.

Eine Wegbiegung weiter stand ein Reh im Gras. Ich gehe davon aus das es mich bemerkt hat, denn sobald ich das iPhone endlich aus der Tasche gefummelt und entsperrt hatte, ist es auch schon ins Gebüsch gesprungen.

Auf dem Rückweg war ich dann noch etwas fasziniert, welche Abdrücke der stürmische Regen die letzten Tage im Gerstenfeld hinterlassen haben.

Ein weites Gerstenfeld im Abendlicht, dahinter ein dunkler Waldrand. Rosa Wolken ziehen über den blauen Himmel.